Herstellung eines Fertighauses in zehn Schritten

Wie der Name schon sagt, werden Fertighäuser komplett in geschützten witterungsunabhängigen Hallen vorgefertigt, sodass lediglich die Endmontage auf der Baustelle stattfindet.


Das Fertighaus trägt seinen Namen, weil es aus vorgefertigten Wand-, Decken- und Dachelementen hergestellt wird und lediglich die Endmontage auf der Baustelle stattfindet. Dazu werden die Elemente – also zum Beispiel komplette Wände – zuerst in den Werkshallen der Fertigbaufirmen unter optimalen klimatischen Bedingungen vorproduziert.

Dies sorgt neben optimaler Qualität der Elemente auch für eine stark verkürzte Herstellung der Fertighäuser gegenüber Gebäuden, die auf der Baustelle Stück für Stück errichtet werden. Hier können sie dann später in kürzester Zeit fachgerecht montiert werden. Anschließend erfolgt der Innenausbau, der je nach Kundenwunsch bis zur Schlüsselübergabe ausgeführt werden kann.


Fertighaus-Herstellung nach kontrolliertem Qualitätsstandard

Dieses ökonomische Verfahren spart nicht nur viel Zeit bei der Herstellung des Fertighauses, sondern kann frei von Wind- und Wettereinflüssen gebaut werden. Vor allem kann die Fertigung zuverlässig überwacht und auf diese Weise ein nachweisbarer und kontrollierter Qualitätsstandard eingehalten werden. Dies erfolgt sowohl durch Eigen- als auch durch Fremdüberwachung in den Werkshallen.

In manchen Details unterscheiden sich die Hersteller im Fertigungsablauf. Die hervorragende Qualität ist aber bei allen Mitgliedsfirmen des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF) gewährleistet. Baumfamilien können sich selbst an der Geburtsstätte ihres Hauses von der automatisierten Fertigung überzeugen – viele Haushersteller bieten nach Absprache persönliche Werksführungen an.

Folgendes Beispiel zeigt in 10 einfachen Schritten die Herstellung eines Fertighauses auf:

 

Schritt 1: Der Rohstoff Holz 

Der Rohstoff, aus dem Hausträume entstehen: 100 Prozent massives natürliches Nadelholz, gütegeprüft, gehobelt, nicht imprägniert und nach Festigkeit sortiert. Am häufigsten kommt das Holz der Fichte zum Einsatz.

Schritt 2: Plattenzuschnitt     

Vor der Fertigung wird jedes Haus per CAD-Software am Computer konstruiert. Deshalb werden alle Plattenmaterialien für die Wände – nach einer genauen Stückliste aus dem Computer – an einer stehenden Plattensäge zugeschnitten. 

Schritt 3: Stabbearbeitung    

Die Holzbalken, die später einmal die tragende Funktion der Wandkonstruktion übernehmen sollen, kommen vollautomatisch aus dem Holzlager. Im Bearbeitungszentrum werden sie mit CNC-gesteuerten Werkzeugen gesägt, gebohrt, gefräst, markiert und beschriftet. Die Präzisionsmaschinen erlauben eine Maßtoleranz von höchstens einem Millimeter. 

Schritt 4: Legen des Riegelwerks     

Muskelkraft ist gefragt, wenn die Arbeiter das Riegelwerk, also Balken für Balken auf einen Elementtisch auflegen und anheften. Dabei werden sie von den präzisen Markierungen der computergesteuerten Stabbearbeitung unterstützt, sodass die fertigen Elemente absolut identisch sind. 

Schritt 5: Beplankung mit OSB-Platten       

Die auf Maß geschnittenen OSB-Platten (Oriented Strand Boards – Platten aus ausgerichteten Spänen) werden auf dem Riegelwerk befestigt. In diesem Beispiel wird auf das Riegelwerk zuerst ein Kleber aufgetragen, der die Konstruktion später vollflächig und zuverlässig verbinden wird.

Die Platten werden mit Hilfe eines Vakuum-Saughebers auf das Riegelwerk aufgelegt und fest verklammert, sodass nichts mehr verrutschen kann.  

Schritt 6: Bearbeitung der Wandelemente   

Auf einer computergesteuerten „Multifunktionsbrücke" werden die Wandelemente bearbeitet. Hier werden zum Beispiel die Hohlräume für Schalter und Steckdosen gefräst und die nötigen Öffnungen für Rohre vorbereitet. Außerdem werden alle benötigten Bohrungen für die spätere Verschraubung der Wände hergestellt.

Die Anlage arbeitet vollautomatisch mit Computerdaten aus der Arbeitsvorbereitung. Der praktische Werkzeugwechsler ist mit Bohrer, Fräse und Säge bestückt und hält das jeweils passende Werkzeug für die anstehende Bearbeitung bereit und somit die Produktion beschleunigt. 

Schritt 7: Wendevorgang der Elemente       

Nachdem die Innenseite der Wand bearbeitet wurde, wird diese mit einem sogenannten „Schmetterlingswender" auf ihre Außenseite gedreht. Danach kann die Dämmung passend zugeschnitten und eingelegt werden. 

Schritt 8: Anbringen der Dämmung 

Nach dem Wenden wird die Dämmung in die Gefache eingesetzt. Je nach Hersteller kann die vom Kunden bevorzugte Wanddämmung eingearbeitet werden, zum Beispiel klassische Mineralwolle oder für Naturfans eine Hanf-, Flachs- oder Holzdämmung.  Außerdem wird bei diesem Beispielhaus eine Holzweichfaserdämmplatte mit Edelstahl-Breitrückenklammern auf dem Riegelwerk befestigt.

Die Klammern werden vollautomatisch mit einem Klammerschussgerät eingetrieben. Dieses Gerät fährt die Klammerlinien computergesteuert ab. So stimmt die Position der Klammern auf den Millimeter genau – die Platte wird präzise und gleichbleibend befestigt. 

Schritt 9: Fenstereinbau an der stehenden Wand   

Gut zu sehen: Dank dem Vakuumsauger können die Fenster aufgenommen und passgenau in die Wand eingesetzt werden. Nach dem Einbau der Fenster werden die Außenfensterbänke und Rollos montiert. 

Schritt 10: Verputzen der Wand       

Zuletzt wird die vorgefertigte Wand verputzt. Der mineralische Grundputz, in den ein Armierungsgewebe eingebettet wird, kommt noch im Werk auf die Wand. Auf der Baustelle wird später der sichtbare Edelputz fugenlos aufgetragen. Dies hat den Hintergrund, dass kleinere Fehlstellen, die beim Transport eventuell entstehen könnten, problemlos ausgebessert werden können.