Holzhäuser trotzen Hochwasser

Bauherren in Überschwemmungsgebieten profitieren von Holzfertigbauweise

Mit dem Klimawandel steigen die Vorhersagen von Wetterkapriolen, auch die Intensität und Häufigkeit von Hochwassern nimmt laut Hochwasserschutzfibel des Bundesbauministeriums (BMUB) zu. Wo und wann das nächste Mal ein Hochwasser entsteht, ist dabei kaum vorhersehbar. Bauherren sind alarmiert. Was tun, wenn man betroffen ist?

Für Stefan Arnold und Nicole Hartl aus Deggendorf war es zunächst der persönliche Alptraum. Ihr Eigenheim, ein Fertighaus mit Holzständerwerk des Herstellers Haas Fertighaus GmbH, war Opfer der Fluten geworden. Drei Wochen dauerte es, bis das fast bis zum Oberschoss gelaufene Wasser wieder weg war und die Begutachtung stattfand. Doch anders als bei den rund 80 Nachbarhäusern in Massivbauweise, die abgerissen werden mussten, gab es bei den Hartls ein Happy End.

Dank der tatkräftigen Unterstützung des Herstellers aus Falkenberg konnte das Haus des jungen Ehepaares saniert werden und erstrahlte ca. zwei Monate später wieder in altem Glanz. Ängste und Verunsicherung der jungen Eigentümer konnten rasch ausgeräumt werden.

Wassergeschädigte Holzfertighäuser sind gut sanierbar

Gemeinsam mit der Universität München und der Holzforschung Austria hatten die Experten von Haas bereits anlässlich der Überschwemmungen vorheriger Jahre in Dresden, Passau und in Teilen Österreichs Sanierungskonzepte für wassergeschädigte Häuser erarbeitet. Das Zwischenfazit: Was nicht zu retten ist sind insbesondere Dämmmaterialien und Beplankungen, alles Weitere lässt sich dank der Holzständerbauweise recht einfach erneuern.

Im Falle Arnold als Vorzeigebeispiel hieß das verknappt, nach dem Rückgang des Wassers das schichtweise Freilegen der Holzständerkonstruktion, dessen Reinigung mit Hochdruckreinigern, das Trocknen und letztlich die Erneuerung der Mineralfaserdämmung inklusive einer Neubeplankung.  

Traditionsreiche Holzrahmenbauweise im Vorteil

Holzfertighäuser sind also keineswegs gefährdeter als ihre Konkurrenten aus Beton. Ganz im Gegenteil: „Im Zeitfenster von nur wenigen Tagen der Durchfeuchtung kann die seit Jahrhunderten verwendete Technik des Fertigbaus in traditioneller Holzrahmenbauweise ihre Vorteile ausspielen“, weiß Zimmer- und Dachdeckermeister Sascha Brück vom Bundesbildungszentrum des Zimmerer- und Ausbaugewerbes in Kassel. „Holz ist hygroskopisch und die in der Regel beim Fertighaus verwendete Fichte ist ohnehin bei der Verarbeitung schon sehr trocken. Dadurch ist nach nur kurzer Zeit der Durchfeuchtung eine schnelle Austrocknung realistisch.“

 

Brück hält eine Trockenlegung der Holzrahmenkonstruktion bis zum normalen Feuchtewert für machbar und sinnvoll. Problematischer werde es bei Materialen wie OSB-Platten und Dämmmaterialien, die, egal ob im Massiv- oder Fertigbau, die feuchte Erfahrung kaum überleben dürften und komplett ersetzt werden müssen, bestätigt Brück die gängige Meinung von Fachleuten im Holzbau.

Feuchtewert nach Sanierung kontrollieren

Diplom-Holzwirt und Privatdozent Oliver Dünisch spricht von 10 bis max. 18 Prozent Zielfeuchte, die nach dem Trocknungsprozess wieder erreicht werden müsse, um auf der sicheren Seite zu sein und eine nachträgliche Schimmelbildung zu vermeiden. Die Trocknung erfolge über große Raumentfeuchter, die quasi durch Wärme das vorhandene Wasser im Holz kondensieren lassen. Wichtig sei, so rasch wie möglich mit der Sanierung zu starten, möglichst innerhalb von 3-4 Wochen, um die Grundstatik der Rahmenkonstruktion zuverlässig „heilen zu können“.

Jörg Walter Dippel von der Holzfachschule in Bad Wildungen ist, wenn es um Massivholz und dessen Trockenlegung geht, ebenfalls nicht bange. Professionell und zeitnah umgesetzt sei eine 100%ige Wiederherstellung kein Thema. „Es sollte eine Einhausung des Holzrahmengerüstes erfolgen, um dann per Bautrockner die Entfeuchtung einzuleiten“, so Dippel, ein Prozess, der in bis zu ca. 20 Tagen erfolgreich umgesetzt werden könne.

Wie Dippel sind auch die Fertighausanbieter – wie am Beispiel Haas abzulesen – vom Material Holz felsenfest überzeugt. Holzständerwerk-Bauten in Deutschland sind weit über 100 Jahre alt, der natürliche Werkstoff Holz ist dann später hart wie Stahl. Und auch wenn über die Jahrzehnte mal etwas erneuert werden muss, zum Beispiel ein Ständer ausgewechselt werden soll, ist das in dieser Bauweise in aller Regel kein Thema.

Kommt es zum Hochwasserschaden, werden auf dem Weg zur Sanierung folgende Schritte empfohlen: 

  • Schadenanalyse
  • Rahmenstruktur des Hauses schrittweise offenlegen
  • Dämm und Verkleidungsmaterial entfernen, die Beplankung bis etwa 30 cm über der Hochwassermarke entfernen
  • Holzsäuberung der tragenden Struktur von Schlamm und Öl mit Hochdruckreiniger
  • Trocknungsverfahren einleiten (Dauer bis zu max. vier Wochen)
  • Holzfeuchtemessung durchführen und Richtwert beachten (weniger als 18 %)
  • Neuer Wandaufbau mit Dämmstoff und Dampfbremse

Fertighäuser sind nach einem Hochwasser wieder schnell bewohnbar

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fertighäuser nach einem Hochwasser sehr schnell wieder bewohnbar sind, sofern die Statik des Unterbaus in Ordnung ist.

Während Mauerwerk sehr viel schwieriger auszutrocknen ist, nimmt Holz aufgrund seiner Zellstruktur Wasser zwar leicht auf, gibt es aber genauso leicht wieder ab. Sind keine Quetschungen im Holz zu sehen und die Fundamente nicht unterspült, kann mit der Sanierung des Hauses begonnen werden.

Verkleidungs- und Dämmmaterialien müssen zunächst komplett ersetzt werden. Wichtig ist, die Austrocknungsphase möglichst zeitnah einzuleiten. Der Härtetest der Familie Arnold belegt, dass Fertighäuser wasserfest sind – im Gegensatz zu vielen Massivhäusern, die im Deggendorfer Neubaugebiet komplett abgerissen werden mussten.

Das Fertighaus der Hartls im Hochwasser

Das Fertighaus nach der Sanierung mit neuem Putz.

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