Natürlich dämmen – mit Holzfaser und Co.

Natürlich dämmen ist ein Thema, das bei Hausbau und Sanierung selten oberste Priorität hat, über das sich angehende Baufamilien aber ruhig ein paar Gedanken machen sollten.

Holz - ein Hochleistungsbaustoff zum Bauen und Dämmen

Im Winter wie im Sommer ein wohltemperiertes Zuhause, das nur wenig Energiekosten verursacht und das auch noch ökologisch ist – das ist heutzutage keine Seltenheit mehr und stößt bei immer mehr angehenden Baufamilien auf großes Interesse.

Der Wunsch vieler Baufamilien fürs Traumhaus: Gesunde Materialien, die schnell nachwachsen und eine positive Ökobilanz aufweisen. Obendrein müssen sie natürlich auch die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) erfüllen und einen nachgewiesenen Brand- und Schallschutz bieten. Gerade der Baustoff Holz wird dann zum Produkt der Wahl. Grundsätzlich besitzt Holz eine schlechte Wärmeleitfähigkeit und eignet sich daher ideal als natürlicher Dämm- und Baustoff für Häuser. Egal, ob als massives Konstruktionsholz oder zerkleinerte Zellulosefaser – Holzhäuser erreichen bei geringeren Wanddicken effizienter das gewünschte Ergebnis bei der Wärmedämmung als andere Baustoffe. Die Wärmeleitfähigkeit ist eine wichtige Kenngröße beim Thema Dämmung. Diese wird in Watt pro Meter mal Kelvin W/(mK) angegeben. Je niedriger die Wärmeleitfähigkeit bei einem Dämmstoff ist, desto wirkungsvoller ist die Wärmedämmung. Betrachtet man das ganze Bauteil bzw. die Wand, ist der sogenannte Wärmedurchgangskoeffizient, kurz U-Wert, wichtig.

Warum das Haus ökologisch dämmen?

Die Themen Umwelt- und Gesundheits­schutz erfahren besonders im Bauwesen einen immer stärker werdenden Zuspruch bei Bauherren sowie Bauentscheidern. 

Ökologische Dämmstoffe sind schad­stofffrei und beeinträchtigen nicht die Gesundheit der Bewohner. Gerade in Innenräumen oder in der obersten Geschoss­decke sollten Natur­dämmstoffe eingesetzt werden. Zum einen können ökologische Dämmstoffe bis zu 30 Prozent Feuchtigkeit aufnehmen, wieder abgeben und damit für ein gesundes Raum­klima sorgen. Zum anderen sind natürliche Dämm­stoffe weniger anfällig für Schimmel und Insektenbefall. Außerdem können sie besser sommerliche Temperaturen puffern als konventionelle Dämm­stoffe. Zur Herstellung von ökologischen Dämmstoffen wird oftmals weniger Energie benötigt als bei synthetischen Dämmmaterialien. Zudem sind nachwachsende Rohstoffe nicht endlich wie erdölbasierte Dämmstoffe und sie sorgen für eine Reduktion von klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre. Obendrein können ökologische Dämmstoffe nach ihrer Nutzung recycelt oder kompostiert werden, was bei konventionellen Dämmstoffen nicht grundsätzlich möglich ist.

Preis vs. Leistung

Durchschnittlich liegen die Anschaffungskosten für ökologische Dämm­stoffe höher als bei konventionellen Dämmstoffen. Allerdings sinkt dieser seit einigen Jahren immer weiter, da der Marktanteil von Naturdämmstoffen wächst und damit die Produktionskosten sinken. Der Preis sollte aber auch nicht der Hauptgrund für die Auswahl sein. Auch bau­physikalische Aspekte wie die Wärme­leitfähigkeit vom Material, bau­ökologische Aspekte wie die Nutzung regionaler Ressourcen und die Recycel­barkeit sowie nachhaltige Aspekte wie die CO2-Speicherung sollten angehende Bauherren mit einbeziehen. Gerade die Recycelfähigkeit ist wichtig, da dann später keine unerwarteten Kosten auf ehemalige Bauherren zurollen. Werden diese Umwelt­kosten von vorherein mit einberechnet, sind natürliche Dämm­stoffe meist günstiger als die konventionellen Vertreter. Besonders Einblas­dämm­stoffe wie Zellulose­ können problemlos preislich mit konventio­nellen Materialen mithalten: Die Material­kosten liegen bei etwa zehn Euro pro Quadrat­meter. Eine Holzfaser-Einblas­dämmung kostet zwischen 14 und 18 Euro pro Quadrat­meter. Der konventio­nelle Dämm­stoff „Expandiertes Polystyrol“, kurz EPS, kostet Bauherren rund 14 Euro pro Quadrat­meter.

Diese Dämmstoffe sind bei Bauherren am beliebtesten:

Das Portal: www.natuerlich-daemmen.info hat Hauseigentümer befragt, für welchen Dämmmaterial sie sich entschieden haben:

> Zur Umfrage

Natürlich Dämmen mit Naturmaterialien

(c) Steico

Holzfaser

Da Holz ein sehr schlechter Wärmeleiter ist, eignet es sich hervorragend zum natürlichen Dämmen. Zusätzlich fällt der Rohstoff während der Verarbeitung von Holz in Sägewerken und anderen Bearbeitungsbetrieben an, weswegen er weniger Produktionswege als andere natürliche Dämmrohstoffe benötigt und damit besonders nachhaltig ist. Zusätzlich bieten Holzfasern einen guten Hitze- und Schallschutz. Holzfasern können zu Platten und Matten gepresst werden oder als Einblasdämmung zum Einsatz kommen. Gerade als Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) finden sie Verwendung und besitzen eine Wärmeleitfähigkeit zwischen 0,040 und 0,052 W/mK. Da die Holzfasern Lignin – natürlicher Klebstoff im Holz – entahlten, werden auch keine Zusätze benötigt und sind daher ein rein natürlicher Dämmstoff. Damit ist auch die spätere Deponierung kein Problem, da der Dämmstoff recycelt oder thermisch verwertet werden kann.

(c) FNR

Zellulose

Dieser natürliche Dämmstoff ist bei der Feuchteregulierung wie auch der Wärmedämmung besonders gefragt. Ebenso fällt es als „Abfallprodukt“ von Papierfabriken an. Allerdings ist der Energiebedarf bei der Herstellung etwas höher als bei den nachwachsenden natürlichen Dämmstoffen, auch wenn Zellulose bei der Verarbeitung besonders einfach zu handhaben ist und unter anderem in die Hohlräume der Wände eingeblasen werden kann. Aktuell ist es der meistgenutzte Dämmstoff mit einem Marktanteil von über 30 Prozent. Die Wärmeleitfähigkeit von Zellulosedämmung liegt zwischen 0,038 und 0,042 W/mK. Die Fasern werden aufgrund des Brandschutzes mit Borsalzen angereichert, was eine Kompostierung später ausschließt. Allerdings kann das Material wiederverwendet oder problemlos deponiert werden. Es eignet isch für das Dach zwischen den Sparren, die Innenwände und bei Gebäuden in Holzrahmen- und Holztafelbauweise auch für die Fassadendämmung.

(c) co2online | Phil Dera

Hanf

Der Nutzhanf ist bereits seit Menschengedenken ein wichtiger Rohstoff, welcher nicht nur für Seile genutzt wurde. Ähnlich wie Flachs bietet Hanf viele Vorteile, die sich besonders bei der Wärmedämmung zeigen. Der natürliche Dämmstoff benötigt keinen Pilz- oder Insektenschutz. Hanffasern können zu Matten, Vliesen oder Stopfwolle und Hanfschäben zu Schüttgut oder Dämmplatten verarbeitet werden. Hanf besitzt eine Wärmeleitfähigkeit zwischen 0,039 und 0,047 W/mK. Außerdem ist es feuchtigkeitsregulierend und eignet sich hervorragend für den sommerlichen Wärmeschutz. Die Hanfmatten eignen sich zur Dachdämmung innerhalb der Zwischen- und Untersparrendämmung, als Innenraumdämmung und für hinterlüftete Vorhangfassaden. Der Stopfhanf wird für Hohlräume und Hanfschüttungen für die Dämmung beim Fußboden und bei der Decke eingesetzt.

(c) FNR

Flachs

Flachs wird vielerorts auch als Lein bezeichnet und landwirtschaftlich angebaut. Die Diffusionsoffenheit (Feuchteaustausch) wie auch die Schimmel- und Schädlingsresistenz zeichnen den natürlichen Dämmstoff besonders aus. Aus Flachs können Dämmstoffmatten und -platten, Einblasdämmung, Schüttgut, Stopfwolle oder Vliese erstellt werden, die je nach Einsatzort verwendet werden. Flachs-Dämmstoffe weisen eine Wärmeleitfähigkeit zwischen 0,036 und 0,040 W/mK auf und unterscheiden sich damit kaum von synthetischen Dämmstoffen. Dieser natürliche Dämmstoff lässt sich problemlos kompostieren oder zum Beispiel als Mulchmaterial für die Gartengestaltung weiterverwenden.

(c) Griechisch/DUH

Jute:

Wie Holzfasern gehört Jute zu den recycelten Dämmstoffen, der meist aus alten Kaffee- oder Kakaosäcken gewonnen wird. Auch Jute zeichnet sich durch gute Hitze- und Schallschutzeigenschaften aus und eignet sich sehr gut, wenn man sein Holzhaus natürlich dämmen möchte. Jute zählt auch zu den biologisch abbaubaren Dämmstoffen und hat eine Wärmeleitfähigkeit zwischen 0,037 und 0,040 W/mK. Sie kann als Wärmedämmung als Auf-, Zwischen- und Untersparrendämmung für das Dach verwendet werden. Jute eignet sich auch zur Dämmung von Holzbalkendecken sowie Außen- und Innenwänden beim Holztafel-Holzrahmen- oder Holzständerbau sowie in Metallständerwänden.

Seegras

Seegras benötigt keinerlei chemische oder biologische Behandlung was den Brandschutz betrifft und ist schimmelresistent. Trotz des meist weiten Weges, den der Rohstoff bis zum Produktionsort zurücklegen muss, weist das Produkt einen Primärenergiebedarf von nur 37kWh/m3 (eingestopft) – 50 kWh/m3 (eingeblasen) auf. Es wird als Schütt- und Stopfwolle eingesetzt und ist genaugenommen ein Abfallprodukt aus dem Meer. Die wenigen Zentimeter großen Bälle finden sich an den Küstenstränden des Mittelmeers, sind ebenfalls rein biologisch, benötigen keine Zusätze bei der Verarbeitung und lassen sich als Pflanzensubstrat recyceln. Seegras-Dämmung besitzt eine Wärmeleitfähigkeit von 0,039 bis 0,046 W/mK.

Anbieter von natürlichen Dämmstoffen

GUTEX – Dämmstoffe aus Schwarzwaldholz

Aus Verantwortung Natur bewahren zum Schutz von Pflanzen, Tieren und der Welt von morgen. All diese Ansprüche können Sie spüren – in Ihrem mit GUTEX Holzfaser gedämmten Zuhause.

> Erleben Sie den GUTEX Effekt.
 

INTHERMO – Dämmstoffsysteme auf Holzfaserbasis

INTHERMO entwickelt natürliche Fassadendämmsysteme, die auf Holzfaserplatten basieren und  in einem ressourcenschonenden Verfahren aus Resthölzern hergestellt werden. 

> Zu INTERMO

 

Marktführer bei ökologischen Holzfaser-Dämmstoffen

Bauen und Dämmen mit Holz ist die Zukunft - STEICO ist der europäische Marktführer bei der Herstellung von Holzfaser-Dämmstoffen und bietet auch Einblasdämmung aus Zellulose an.

> Zu STEICO

 

Fertighäuser natürlich dämmen

(c) STEICO

Die Hersteller von Fertighäusern bieten teilweise auch eigene Weiterentwicklungen der natürlichen Dämmstoffvarianten an. Sie werden im Inneren der vorgefertigten Wand-, Dach- und Deckenelemente verbaut. Die industrielle Vorfertigung garantiert höchste Präzision und damit Produktqualität der einzelnen Bauteile. Baufamilien sollten sich beim Fertighaushersteller ihrer Wahl ausführlich über die Vor- und Nachteile einzelner Dämmstoffe informieren. Wer ökologisch bauen möchte, kommt an einer natürlichen Dämmung nicht vorbei. Für natürliche Dämmstoffe werden dieselben staatlichen Förderungen zur Verfügung gestellt wie bei konventionellen Dämmstoffen auch. Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt angehende Bauherren und Renovierer mit finanziell zinsgünstigen Krediten oder einem Zuschuss durch KfW-Förderprogramme.

In Kooperation mit: 

Bildquellen:

  • co2online | Phil Dera