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Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V.
14.04.2011

Fertigbau-Branche debattierte über Plusenergiehäuser und Nachhaltigkeit

Technikertagung des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau:

Noordwijkerhout/Bad Honnef. Sind Plusenergiehäuser die Häuser von morgen? Wie nachhaltig ist der Holzbau? Diese und weitere Fragen diskutierten 135 Experten auf der Technikertagung der Fertigbau-Branche, die auf Einladung des Beschichtungsherstellers Sikkens im niederländischen Noordwijkerhout stattfand. Der Kongress wird jährlich vom Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) veranstaltet, dem die 45 führenden Fertighaushersteller angehören.

Nach einer Besichtigung des Sikkens-Werks im benachbarten Sassenheim eröffnete BDF-Präsident Johannes Schwörer die zweitägige Konferenz. Mit Blick auf die Debatte über eine neue Energiepolitik forderte er, die Energiesparsamkeit der Fertighäuser noch selbstbewusster zu kommunizieren. Der BDF habe bereits eine Arbeitsgruppe „Plusenergie“ eingesetzt. „Fertighäuser sind energiesparend. Bald werden viele sogar einen Energieüberschuss produzieren“, kündigte Schwörer an.

Anschließend präsentierten die verschiedenen Sparten des Gastgebers Sikkens aktuelle Produkte für die Fertighausbranche. Andreas Kamp, Marketingleiter Sikkens Joinery Europe, und Ronald Sterr, Leiter Bereich Key Account Holzbau Deutschland, stellten das Unternehmen und den Mutterkonzern Akzo Nobel vor. Ronald Mayen, Marketingleiter Sikkens Deko Deutschland, erläuterte die Anwendung der neuen Lifestyle-Colours-Box. Darin werden 108 Farbtöne in vier verschiedenen Stilen als Auswahlhilfe für Bauherren gezeigt. Rainer Koch, Technik-Leiter Sikkens Holzbau Europa, informierte über Neuentwicklungen bei der Beschichtung von Holzfenstern.

Architektonische Highlights und Skurrilitäten standen im Mittelpunkt des unterhaltsamen Vortrags der Architektin Evelyn Galsdorf vom Amsterdamer Büro 030ARCHITEKTEN. Sie belegte anhand von vielen Beispielen, wie kreativ der Hausbau in den Niederlanden oft ist. Aufgrund des Platzmangels ist kompaktes Bauen an der Tagesordnung. Im Trend liegt Wohnen auf dem Wasser, sei es in Hausbooten oder in „Wasservillen“. Galsdorf begleitete auch eine Exkursion in den Hafen von Amsterdam, wo sie ihren Gästen Neubauten in moderner Architektur zeigte.

Mit viel Beifall vom fachkundigen Publikum wurde der Vortrag von Prof. Stefan Winter von der Technischen Universität München bedacht. Der renommierte Holzbau-Experte referierte über Flachdächer in Holzbauweise – ein Thema, das gerade angesichts der Aktualität dieser Dachform in der zeitgenössischen Architektur auf großes Interesse stieß. Winter zeigte exemplarisch praktische Lösungen für die Ausführung dieses komplexen Bauteils auf. Besonders sein Bericht über die Neufassung der Holzschutznorm 68 800 wurde von den Fertigbau-Technikern mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt.

Den zweiten Veranstaltungstag eröffnete Prof. Arno Frühwald von der Universität Hamburg mit einem Vortrag über nachhaltiges Bauen als Herausforderung und Chance für den Fertigbau. Sein Fazit: Die Ökobilanzierung von Bauprodukten nutzt letztlich auch den Unternehmen. Denn Ökobilanzen werden nicht ausschließlich zur Verbraucherinformation erstellt, sondern liefern wertvolle Hinweise, wie sich innerbetriebliche Prozesse optimieren lassen. Für das Holzbau-Marketing empfahl Frühwald, mit jedem Haus eine Produktinformation mitzuliefern, die Informationen über die Nachhaltigkeit des Gebäudes enthalten sollte. Er kündigte an, ein solches Handbuch gemeinsam mit dem BDF zu entwickeln. Auf politischer Ebene formulierte Frühwald die Anerkennung von Holzprodukten als CO2-Speicher bei der nächsten Weltklimakonferenz im November in Durban/Südafrika als Ziel.

Ungewöhnliche Einblicke in die Wirkung von Farben gab Stephanie Kraneveld vom Esthetic Center Akzo Nobel. So erfuhren die Teilnehmer, dass Farben nicht einfach Geschmackssache sind, sondern bestimmte Reaktionen auslösen – und natürlich Trends folgen. Farbe des Jahres 2011 ist Zitronengelb, so die Expertin. Im Anschluss machte René Stein von der Technischen Universität München einen baufachlichen „Dauerbrenner“ zum Thema: Sein Vortrag beschäftigte sich mit der Brandsicherheit haustechnischer Installationen im Holzbau. Er stellte die bauordnungsrechtlichen Anforderungen vor, berichtete über die Ergebnisse eines Forschungsvorhabens und präsentierte Lösungen für die Praxis.

Das „Plusenergiehaus“ wird bei Wohnungsneubauten ab 2020 die Regel sein, so die Einschätzung von Prof. Gerd Hauser, Leiter des Fraunhofer Instituts für Bauphysik in München. „Dabei handelt es sich um Gebäude mit ausgereizter Energieeffizienz und integrierten Systemen zur Gewinnung erneuerbarer Energie, die im Jahresverlauf weniger Primärenergie verbrauchen als sie erzeugen“, erklärte Hauser. Der Experte sieht die Energiewirtschaft vor einem Paradigmenwechsel: Künftig werde nicht mehr vom Verbrauch abhängen, wie viel Energie erzeugt wird, sondern das Energieangebot werde über den Verbrauch entscheiden. Daraus ergeben sich neue Funktionen von Gebäuden als Erzeuger und Speicher von Energie. Hauser kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die politische Diskussion zu sehr auf Elektromobilität konzentriert sei. Im Verkehrswesen lasse sich die Energieeffizienz aber längst nicht so leicht verbessern wie dies im Gebäudebereich möglich sei. Der Weg vom Energieeffizienzhaus zum Plusenergiehaus führe über eine bessere Aufnahme von Sonnenenergie und möglichst gebäudeintegrierte Technik zur Energiegewinnung, zum Beispiel Photovoltaik-Module als gestalterisches Element für die Fassade.

In ihrem Schlusswort dankten der technische Leiter des BDF, Georg Lange, und der Marketingleiter der gastgebenden Firma Sikkens, Andreas Kamp, Teilnehmern und Referenten. Die nächste Technikertagung des BDF findet am 26. und 27. April 2012 bei der Fermacell GmbH in Magdeburg statt.

Foto: Insgesamt 135 Teilnehmer verfolgten die Vorträge der Technikertagung des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF) im niederländischen Noordwijkerhout (Quelle: BDF).

Christoph Windscheif