Konrad Wachsmann (Bild: Public Domain)
Die Vordenker des Fertigbaus: Konrad Wachsmann
Ein wichtiger Partner für Walter Gropius bei der Entwicklung von Fertighaussystemen ist Konrad Wachsmann. Er wird 1901 in Frankfurt an der Oder geboren, ist Architekt und Ingenieur. Wachsmann lernt Tischler, studiert dann in Berlin und Dresden und wird Meisterschüler von Hans Poelzig, einem berühmten Architekten der sogenannten ›neuen Sachlichkeit‹.
Der junge Wachsmann wird von 1926 bis 1929 Chefarchitekt und Leiter der Designabteilung bei der damals größten europäischen Holzhausfabrik Christoph&Unmack in Niesky in der Oberlausitz. Hier beginnt er schnell mit Forschungs- und Versuchsarbeiten zur Rationalisierung und Verfeinerung des Holzbaus. Er erkennt die Vorteile der Vorfertigung und wagt es, die zunehmende Industrialisierung im Werk mit dem uralten Werkstoff Holz zu kombinieren. Wachsmann hilft bei der Entwicklung etlicher Maschinen, die zur Vorbereitung der Holzkonstruktion für den Hausbau dienten. Als einer der ersten Architekten beschäftigt er sich ausgiebig mit industrieller Vorfertigung. 1927 baut er als Blockbau das so genannte ›Direktorenhaus‹ für den damaligen Unternehmensbesitzer der Christoph & Unmack AG. Dieses Gebäude ist ein repräsentatives Beispiel für den wieder beginnenden Holzbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Aufteilung der Innenräume entspricht einem noch heute guten, ja geradezu vorbildlichen Grundriss.
Ein Unikat der Holzfertigbauweise in Deutschland ist das berühmte Sommerhaus des großen Physikers Albert Einstein im brandenburgischen Caputh. Die Entstehungsgeschichte dieses Hauses ist Beleg für das quirlige Engagement der damaligen Holzhausfirmen in Deutschland: Im Jahr 1929 will die Stadt Berlin dem großen Wissenschaftler ein Haus zu dessen 50. Geburtstag schenken. Doch die Stadt findet weder einen passenden Entwurf noch ein geeignetes Grundstück. Schließlich macht sich Wachsmann auf den Weg zu Albert Einstein und überzeugt ihn von seinen innovativen Hausbauideen. Wachsmann baut daraufhin einen Sommersitz im klassischen Holzfertigbau-Stil mit Fachwerk, Tafel- und Plattenelementen. Im Einstein-Haus in Caputh wird Geschichte geschrieben, denn hier fühlen sich zahlreiche berühmte Nobelpreisträger, Wissenschaftler und Schriftsteller sehr wohl. Einstein lädt nach Caputh u. a. Otto Hahn, Gerhart Hauptmann, Käthe Kollwitz, Max Liebermann, Heinrich Mann, Max Planck, Anna Seghers, Chaim Waizmann und Arnold Zweig ein. Das Einstein-Haus ist in Deutschland sicherlich Wachsmanns bekanntestes Werk in Holzbauweise.
»Immer dann, wenn sich die Produktionsbedingungen der Architektur verändern, verändert sich die Architektur«
Konrad Wachsmann
Wachsmann widmet sich ab 1949 nachdrücklich der universitären Forschung und Lehre, zuerst am Institute of Design in Chicago und später an der Universität Illinois. Zurück in Europa leitet er ab 1956 für einige Jahre die Architekturklasse der Salzburger Sommerakademie, wo er zahlreiche österreichische Architekten, wie etwa Gustav Peichl, Hans Hollein, Friedrich Kurrent oder Ottokar Uhl für die Idee des industriell vorgefertigten Bauens begeistern kann.
Ab 1964 arbeitet Wachsmann wieder in den USA an der Universität von Los Angeles. Hier intensiviert er seine Forschungsarbeiten über große freitragende Hallen. Ein Thema, das er durch intelligente und innovative Konstruktionen und nicht über die Weiterentwicklung der bekannten Tragwerke angehen will. Wachsmanns Ziel ist stets die Übertragungsmöglichkeit seiner Erkenntnisse auf alle denkbaren Konstruktionen. Er will mit möglichst einfachen Teilen eine große Vielfalt an Konstruktionsmöglichkeiten erzielen. Die universelle Verwendbarkeit von vorgefertigten Holzbauteilen lässt ihn bis zu seinem Lebensende im Jahr 1980 nicht mehr los.
Nach seinem Tode entsteht in Berlin das Konrad-Wachsmann- Archiv mit seinem beruflichen Nachlass. Konrad Wachsmann ist in seinem Geburtsort Frankfurt an der Oder begraben.
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