Walter Gropius
Walter Gropius (Bild: Public Domain)

Die Vordenker des Fertigbaus: Walter Gropius


Walter Gropius, geboren 1883, entstammt einer weit verzweigten Architektenfamilie. Der Bruder seines Großvaters, der ebenfalls berühmte Architekt Martin Gropius, entwarf beispielsweise das Kunstgewerbemuseum in Berlin. Walter Gropius beginnt sein Architekturstudium 1903 an der Technischen Hochschule München und wechselt 1906/07 an die Technische Hochschule Berlin. Seit 1907 arbeitet er im Büro von Peter Behrens. Hier lernt er Ludwig Mies van der Rohe kennen. Bereits 1910 präsentiert Gropius sein ›Programm zur Gründung einer allgemeinen Hausbaugesellschaft auf künstlerisch einheitlicher Grundlage‹. Schon hier nimmt er viele Marketingstrategien der heutigen Fertighausindustrie wie Festpreis, Werbung, Kataloge, Hausausstellungen vorweg.

Gropius gründet 1919 in Weimar das BAUHAUS und bleibt bis 1928 dessen Direktor. Es ist ein neuer Ansatz, aus Kunstgewerbeschule und Hochschule für bildende Kunst eine Institution – das BAUHAUS – zu kreieren. Aus dem BAUHAUS ging die bis heute bekannteste deutsche Architekturschule hervor.

Gropius setzt sich im BAUHAUS ab 1926/1927 intensiv mit dem Massenwohnbau auseinander und tritt für die Rationalisierung der Bauindustrie ein. Zur Lösung der städtebaulichen und sozialen Probleme des Siedlungsbaus propagiert er neben dem Wohnhochhaus die Vorfertigung. Unter seiner Leitung wird die Idee des Fertighauses und der Fertigbauweise am BAUHAUS gefördert.

In den kommenden Jahren entstehen zahlreiche Wohnungsbauprojekte wie die Siedlung Dessau-Törten (1926-1931), Wohnblöcke in der Siedlung Siemensstadt in Berlin (1929/30) und das Projekt Wannsee-Uferbebauung in Berlin (1930/31). Danach konzipierte das BAUHAUS unter der Leitung von Walter Gropius auch Konstruktionen mit Leichtbauweisen aus Holz und Stahl. Jeder kennt noch heute die 1927 auf der Werkbundausstellung ›Die Wohnung‹ entstandene Weissenhofsiedlung in Stuttgart.

Eine Kostensenkung beim Hausbau soll durch Massenfertigung erreicht werden. Dabei ist das Angebot nicht auf Standardhäuser festgelegt, sondern wie aus einem Baukasten um einen Grundtyp individuell wählbar. Das Angebot soll aus einer großen Bandbreite, die vom Arbeiterhaus bis zum herrschaftlichen Familienhaus reicht, bestehen. Architektur und Bausysteme, Tragwerke und Konstruktion, Bauverfahren und Baustoffe sind bei der Gründung des BAUHAUS’ mit den selben Attributen versehen wie sie heute im modernen Holzfertigbau verwendet werden: Individualität trotz universeller Vorfertigung, ressourcenschonender Einsatz des Werkstoffs Holz, zeitersparende und flexible Hausmontage, reduzierte Formensprache der Architektur, innovative Bauingenieursleistungen.

Das Lebenswerk Gropius’ und seine im BAUHAUS aufgehenden Ideen sind bis heute eng mit der Architektur des Hausbauens verbunden.

Für den Fertigbau ist Gropius in Sachen Architektur und Ästhetik Vorbild und Protagonist. Nach wie vor werden viele seiner Entwürfe als zeitlos angesehen und stellen daher bis heute gute Vorbilder für den modernen Fertigbau dar.

»Bunt ist meine Lieblingsfarbe«
Walter Gropius

Haus Lincoln
Haus Lincoln, Massachusetts, USA von Walter Gropius, 1938
(Bild: Public Domain)
1934 emigriert Gropius nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und nach deren wiederkehrenden Angriffen auf das BAUHAUS als der ›Kirche des Marxismus‹ nach England und 1937 weiter in die USA. Hier arbeitet er als Professor für Architektur an der Graduate School of Design der renommierten Harvard University.

In den USA beschäftigt sich Gropius auch weiterhin mit dem Gedanken der Vorfertigung. Er entwickelt zusammen mit Konrad Wachsmann das ›General-Panel-House- System‹, das die Ideen der werksseitigen Vorfertigung erneut um ein vielfaches voranbringt.

In seinen letzten Lebensjahren ist Walter Gropius wieder viel in Berlin tätig. Hier entwirft er 1957 im Rahmen der Interbau einen neungeschossigen Wohnblock im Hansaviertel. Die konkave Südfront und das offene Erdgeschoss gelten bei diesem Gebäude als typisches Beispiel einer architektonisch späten Moderne. 1963 wird ihm die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin verliehen. Walter Gropius stirbt 1969 in Boston.

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