Die Geschichte des Fertigbaus bis 1949
Eigentlich besitzt die Schnecke das erste Fertighaus der Welt. Schon vor Jahrmillionen lebt sie auf der Erde. Sie nimmt ihr Haus einfach immer mit. Diese uralte Idee machen sich die Baumeister und Architekten von jeher zu eigen und überlegen seitdem, wie sie Häuser vorfertigen können und dorthin bringen können, wo sie aufgestellt werden sollen. In diesem Sinne ist auch das Ei ein tolles Fertighaus…
Die alten Ägypter bauen ihre Pyramiden zum Teil im Norden des Landes und schleppen die gewaltigen fertigen Steine den Nil hinunter, um sie auf der Baustelle zu montieren. Der berühmte Maler der ›Mona Lisa‹, Leonardo Da Vinci, baut 1494 die ›Casa mutabile‹. Das Haus ist vollständig vorgefertigt und wird am Ufer des Tigris’ aufgestellt. Leider existiert es heute nicht mehr.
In Deutschland gibt es noch eine ganze Menge Fachwerkhäuser. Die Wände der Fachwerkhäuser haben meistens schwarze Holzrahmen, die wie einzelne Fächer aussehen. Sie sind mit Stroh und Lehm gefüllt und bilden die Wand. Diese Holzrahmen werden schon im Mittelalter in der Zimmerei zugeschnitten und teilweise verschraubt. Sie sind die Vorläufer der heutigen Fertighäuser.
Die Stabkirchen in Skandinavien werden allesamt in einer Zimmerei vorgearbeitet und dann an Ort und Stelle nur noch zusammengeschraubt. Diese bemerkenswerten Holzbauten stehen bis heute.
Wenn Albert Einstein sich von seinen anstrengenden Überlegungen erholen will, zieht er sich am liebsten in sein Fertighaus auf dem Lande zurück.
In Amerika sind in der Zeit des ›Wilden Westens‹ nicht nur die berühmten Saloons aus Holz. Holzhäuser werden als Hotels, Privathäuser, Schulen, Sheriff-Büros und Poststationen gebaut. Als die Zeit des Goldrausches (1849) beginnt und scharenweise Einwanderer nach Nordamerika kommen, sind Holzfertighäuser fix gebaut. Die Trockenbauweise hat außerdem den Vorteil, dass man direkt nach dem Aufbau einziehen kann. Noch heute stehen diese alten Häuser in vielen Städten der USA und dienen als Kulisse für Cowboyfilme. Die Holzbauweise ist in den USA bis heute sehr beliebt.
Der Baumeister Gustav Lilienthal ist der Bruder von Otto Lilienthal, der das Flugzeug erfindet. Beide Brüder sind immer an technischen Neuheiten interessiert. Gustav Lilienthal entwickelt die sogenannten ›Terrast Häuser‹, die vollständig vorgefertigt sind und auf ihrem Grundstück nur noch zusammengesetzt werden müssen. Der Vorteil ist ihm klar: Sie sind wetterunabhängig herstellbar und in drei Tagen fix und fertig aufgebaut. Da freuen sich die Bewohner, weil sie nicht lange auf ihr eigenes Haus warten müssen.
Walter Gropius gründet 1919 in Weimar das BAUHAUS. Unter seiner Leitung wird die Idee des Fertighauses und der Fertigbauweise gefördert. Eine Kostensenkung beim Hausbau soll durch Massenfertigung erreicht werden. Dabei ist das Angebot nicht auf Standardhäuser festgelegt, vielmehr kann man, wie bei einem Baukasten, einen Grundtyp individuell variieren. Das Angebot soll aus einer großen Bandbreite, die vom Arbeiterhaus bis zum herrschaftlichen Familienhaus reicht, bestehen. Von Individualität über Festpreis bis hin zu architektonischer Moderne, ist die deutsche Fertigbaubranche heute auf ihre BAUHAUS-Wurzeln stolz. Architektur und Bausysteme, Tragwerke und Konstruktion, Bauverfahren und Baustoffe sind bei der Gründung des BAUHAUS’ mit denselben Attributen versehen wie sie heute im modernen Holzfertigbau verwendet werden:
- Individualität trotz universeller Vorfertigung
- ressourcenschonender Einsatz des Werkstoffs Holz
- zeitsparende und flexible Hausmontage
- reduzierte Formensprache der Architektur
- innovative Bauingenieursleistungen
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